Wie PR B2B-Marken in KI-Antworten sichtbar macht: der „Best Practice Plus“-Ansatz

Cheat Sheet: Neun Ergänzungen, die B2B-Tech-Pressemitteilungen in der KI-Suche sichtbar machen.

Kurz vorab: KI-Systeme beantworten B2B-Recherchefragen zunehmend aus Drittquellen – aus Fachmedien, Analystenkommentaren, Interviews und redaktioneller Berichterstattung, weniger aus Ihrer eigenen Website. Genau deshalb wird Pressearbeit zum stärksten Hebel für KI-Sichtbarkeit. Die gute Nachricht: Was Sprachmodelle belohnen, ist im Kern das, was gute PR schon immer geliefert hat. Es braucht kein neues Handwerk, sondern ein paar gezielte Ergänzungen.


Warum reden plötzlich alle über GEO und AEO?

Weil die Recherchekette bricht. Der klassische Weg – Suchanfrage, Ergebnisliste, Klick auf die Website – wird zunehmend durch eine einzige Frage an ChatGPT, Perplexity, Gemini oder den Google AI Mode ersetzt. Die Antwort kommt fertig zusammengefasst, oft ohne dass jemand Ihre Seite je öffnet.

Der Handlungsdruck ist erkannt, die Umsetzung hinkt hinterher. In einer aktuellen Erhebung unter B2B-Tech-Unternehmen in der DACH-Region berichtet nur eines von 25 Unternehmen von starker Sichtbarkeit in KI-Systemen. Der Hauptgrund ist selten fehlende Einsicht – es ist fehlende Zeit im Marketing-Alltag.

Zwei Begriffe haben sich für die Antwort darauf etabliert:

  • AEO (Answer Engine Optimization) zielt auf die eine autoritative Antwort: Produktvergleiche, How-to-Fragen, Definitionen. Ziel ist, als Quelle der direkten Antwort ausgespielt zu werden.
  • GEO (Generative Engine Optimization) zielt auf Präsenz in breiteren generativen Kontexten: Marktübersichten, Anbieterlisten, Trendeinordnungen. Wer als Kategorie-Player oder Vordenker genannt werden will, braucht GEO.

Für die meisten B2B-Tech-Anbieter ist GEO der relevantere Hebel – denn die entscheidende Frage lautet selten „Was kostet Produkt X?“, sondern „Welche Anbieter sollte ich mir für Y ansehen?“.


Was hat PR damit zu tun?

Sehr viel – denn KI-Systeme gewichten Erwähnungen auf vertrauenswürdigen Drittseiten stark. Wenn ein Sprachmodell eine Frage zu Ihrer Kategorie beantwortet, stützt es sich überproportional auf Fachpublikationen, Vergleichsseiten, Reviews und redaktionelle Berichterstattung – deutlich stärker als auf Ihre eigene Unternehmenswebsite. Selbstauskunft zählt wenig, Fremdvalidierung zählt viel.

Damit verschiebt sich die Rolle von PR. Sie ist nicht mehr nur Reichweiten- und Reputationskanal, sondern Rohstofflieferant für genau die Quellen, aus denen KI-Systeme ihre Antworten bauen. Jeder Fachartikel, jedes Experten-Zitat, jede aufgegriffene Meldung ist ein potenzieller Beleg im Trainings- und Retrieval-Material.

Die Instrumente, die dabei zählen: Medienarbeit und Pitches, Pressemitteilungen mit gezielter Verteilung, Thought-Leadership-Beiträge und Gastartikel, Experten-Kommentare zu aktuellen Entwicklungen, Case Studies und Whitepaper, Interviews, Podcasts und Speaking-Slots, dazu eigener Content auf Website und Social Media. Die Pressemitteilung ist eines von vielen Werkzeugen – aber ein besonders GEO-taugliches, weil sie faktendicht, strukturiert und im besten Fall vielfach gespiegelt ist.


Sie müssen das Rad nicht neu erfinden

GEO-orientierte PR unterscheidet sich in der Substanz erstaunlich wenig von handwerklich guter, traditioneller PR. Der Grund liegt auf der Hand, wenn man die Kriterien nebeneinanderlegt:

Was gute PR schon immer ausmachteWas KI-Systeme belohnen
Echter Nachrichtenwert statt SelbstbeweihräucherungSubstanzielle, informationsdichte Inhalte
Belastbare Fakten und ZahlenZitierfähige, überprüfbare Datenpunkte
Glaubwürdige Drittplatzierung in FachmedienErwähnungen auf vertrauenswürdigen Domains
Präzises Targeting statt GießkannenverteilerThematisch passende, relevante Quellen
Klare Struktur, verständliche SpracheExtrahierbare, eindeutige Aussagen
Konsistente KernbotschaftenKonsistente Entitäten und Faktenlage

Anders gesagt: Die Massen-Pressemitteilung ohne Nachrichtenwert, blind über einen 5.000-Adressen-Verteiler gestreut, war noch nie gute PR. Sie ist jetzt nur noch offensichtlicher wirkungslos.

Wer bereits sauber arbeitet, hat also den Großteil erledigt. Was fehlt, sind gezielte Ergänzungen. Genau das ist mein „Best Practice Plus“-Ansatz.


Die Tipps: So machen Sie Ihre Pressemitteilungen KI-tauglich

Tipp 1: Schreiben Sie Absätze, die für sich allein stehen

KI-Systeme extrahieren selten ganze Texte, sondern einzelne Passagen. Ein Absatz, der ohne den vorhergehenden nicht verständlich ist, wird schlicht nicht zitiert.

Konkret: Vermeiden Sie Rückbezüge wie „wie erwähnt“ oder „das Unternehmen“ ohne Namensnennung. Nennen Sie Firmennamen, Produktbezeichnungen und Zeitangaben in jedem relevanten Absatz erneut. Das liest sich minimal redundanter – und ist für die Extraktion entscheidend.

Tipp 2: Beantworten Sie die Frage in den ersten zwei Sätzen

Retrieval-Systeme bewerten Relevanz stark anhand des Abschnittsanfangs. Die ersten 40 bis 60 Wörter nach einer Überschrift sollten die Frage vollständig beantworten – die Ausführung, das Zitat und die Farbe kommen danach.

Konkret: Der erste Absatz Ihrer Pressemitteilung enthält Was, Wer, Wann, Wo und Warum in ausformulierten Sätzen. Kein Spannungsbogen, keine Einleitung über Markttrends. Die klassische W-Fragen-Regel des PR-Handwerks ist zufällig auch die beste GEO-Regel.

Tipp 3: Liefern Sie eigene Zahlen statt Adjektive

„Marktführend“, „innovativ“ und „wegweisend“ sind für Sprachmodelle wertlos – sie sind weder überprüfbar noch zitierfähig. Eigene Daten sind der stärkste Grund für ein KI-System, ausgerechnet Sie zu zitieren.

Konkret: Kleine eigene Erhebungen, anonymisierte Nutzungsdaten aus dem eigenen Produkt, Kundenbefragungen, Benchmark-Ergebnisse. Ein einziger belastbarer Datenpunkt – „42 Prozent der befragten Logistikunternehmen nutzen X“ – trägt weiter als drei Absätze Marketing-Prosa. Data Storytelling war schon vor der KI-Suche die effizienteste PR-Disziplin.

Tipp 4: Verteilen Sie gezielt – aber breiter als früher

Präzises Targeting bleibt richtig. Neu ist: Auch kleinere Fachportale, Branchen-Newsletter und Nischenmedien zahlen auf die KI-Sichtbarkeit ein, wenn sie thematisch passen und gecrawlt werden. Der alleinige Fokus auf Top-Tier-Titel greift zu kurz.

Konkret: Ergänzen Sie Ihren A-Verteiler um zehn bis zwanzig thematisch eng passende Fach- und Nischenquellen. Kriterium ist nicht die Auflage, sondern die thematische Autorität in Ihrem Segment.

Tipp 5: Newsroom plus FAQ – der wichtigste On-Page-Tipp

Veröffentlichen Sie jede Pressemitteilung in einem eigenen, indexierbaren Newsroom auf der Unternehmensdomain – als HTML, nicht als PDF-Download. Und ergänzen Sie sie um einen kurzen FAQ-Block.

Konkret: Unter dem Fließtext stehen fünf bis acht echte Fragen mit knappen Antworten – die Fragen, die Journalisten und Interessenten tatsächlich stellen würden: „Was macht das Produkt konkret?“, „Ab wann ist es verfügbar?“, „Wer sind die Investoren?“, „Was kostet es?“. Ausgezeichnet mit FAQPage-Schema. So bleibt die Meldung selbst eine erzählte Story mit Zitaten – und die harten Fakten liegen zusätzlich in maschinenlesbaren Häppchen daneben.

Tipp 6: Nennen Sie sich immer gleich

Sprachmodelle arbeiten mit Entitäten. Wenn Ihr Unternehmen mal als „Muster GmbH“, mal als „Muster Technologies“ und mal als „MusterTech“ auftaucht, zerfällt Ihre Reputation auf drei schwache Einträge statt einen starken.

Konkret: Legen Sie eine verbindliche Schreibweise für Firmenname, Produktnamen, Personennamen und Funktionsbezeichnungen fest – und ziehen Sie sie über Website, Boilerplate, LinkedIn, Wikipedia-Eintrag, Verzeichnisse und jede Pressemitteilung konsequent durch. Der Boilerplate am Ende der Meldung ist dabei wichtiger, als sein Ruf vermuten lässt: Er ist die kompakteste Entitätsbeschreibung, die Sie in Umlauf bringen.

Tipp 7: Halten Sie Kerninhalte aktuell

Veraltete Zahlen auf Ihren wichtigsten Seiten führen dazu, dass KI-Systeme falsche oder überholte Angaben über Sie verbreiten – und frischere Quellen bevorzugen.

Konkret: Prüfen Sie Ihre zentralen Seiten – Über uns, Produktseiten, Glossar, Kernartikel – quartalsweise auf Mitarbeiterzahlen, Kundenzahlen, Funding-Status und Produktumfang. Setzen Sie ein sichtbares „Zuletzt aktualisiert“-Datum.

Tipp 8: Öffnen Sie die Tür für KI-Crawler

Prüfen Sie auf Ihrer Website – in diesem Fall typischerweise im Newsroom-Bereich – Ihre robots.txt auf explizite Regeln für GPTBot, ClaudeBot, PerplexityBot, OAI-SearchBot und Google-Extended. Wer diese Crawler blockiert, ist in den entsprechenden Systemen schlicht nicht zitierbar.

Konkret: Zusätzlich lohnt strukturierte Auszeichnung per Schema.org – Organization, Article, FAQPage, Product. Eine llms.txt können Sie mit wenig Aufwand anlegen, sollten sie aber nicht überschätzen: Nach aktuellem Stand rufen die großen KI-Anbieter diese Datei kaum ab und crawlen stattdessen direkt HTML. Hygiene, keine Strategie.

Tipp 9: Messen Sie neu

Reichweite, Clippings und Backlinks bleiben relevant – aber sie erzählen nur noch die halbe Geschichte.

Konkret: Ergänzen Sie Ihr Reporting um regelmäßige Testabfragen in ChatGPT, Perplexity, Gemini und Google AI Mode mit den Kaufentscheidungsfragen Ihrer Zielgruppe. Werden Sie genannt? Mit welchen Quellen belegt? Neben welchen Wettbewerbern? Tracken Sie außerdem Referral-Traffic aus KI-Systemen separat in Ihrer Analytics.


Die wichtigste Leitplanke: nicht über-optimieren

Alle genannten Tipps sind Mittel zum Zweck – nicht der Zweck. Wer nur noch für Crawler schreibt, produziert Meldungen, die kein Redakteur aufgreift und kein Leser zu Ende liest. Und damit fällt am Ende auch die KI-Sichtbarkeit in sich zusammen, denn ohne redaktionelle Aufnahme entstehen keine Drittquellen, aus denen ein Sprachmodell zitieren könnte.

Die Formel lautet: so viel Struktur wie nötig, so viel Erzählung wie möglich. Der Nachrichtenwert entscheidet weiterhin darüber, ob eine Meldung überhaupt Wirkung entfaltet. Struktur und Maschinenlesbarkeit sorgen dafür, dass diese Wirkung auch dort ankommt, wo heute recherchiert wird.

Ein einfacher Test: Lesen Sie Ihre Meldung laut vor. Klingt sie wie ein Text, den ein Mensch geschrieben hat und ein Mensch lesen möchte? Dann stimmt die Balance.


Der übersehene Gewinner: die Redaktionen

Gut strukturierte, faktenreiche Pressearbeit nützt nicht nur Ihnen – sie nützt auch den Journalisten, mit denen Sie arbeiten. Eine Meldung mit klaren Fakten, belastbaren Zahlen, korrekten Namen und zitierfähigen Statements spart Recherchezeit. Und der daraus entstehende Artikel ist selbst besser strukturiert und faktenreicher – und damit für KI-Systeme leichter auffindbar und zitierbar.

Das ist ein Argument, das Sie im Gespräch mit Redaktionen offen nutzen können: Sie liefern Material, das nicht nur schnell verarbeitbar ist, sondern die KI-Sichtbarkeit des entstehenden Beitrags selbst stärkt. In einer Zeit, in der auch Medienhäuser um Reichweite in generativen Systemen ringen, ist das ein echtes Nutzenversprechen – und ein Beziehungsargument, das über die einzelne Platzierung hinausreicht.


Fazit

GEO und AEO erfordern kein neues PR-Handwerk. Sie erfordern konsequent gutes PR-Handwerk – ergänzt um Struktur, überprüfbare Fakten, konsistente Entitäten, eine breitere Quellenauswahl und neue Messgrößen. Wer Pressearbeit ohnehin ernst nimmt, muss nicht umlernen, sondern nachschärfen.

Und wer sie bislang als Textbaustein-Übung betrieben hat, merkt jetzt nur schneller, dass das nie funktioniert hat.


Häufige Fragen zu GEO, AEO und Pressearbeit

Was ist der Unterschied zwischen GEO und AEO?

AEO (Answer Engine Optimization) zielt darauf, als Quelle der einen direkten Antwort ausgespielt zu werden – bei Definitionen, How-to-Fragen oder Produktvergleichen. GEO (Generative Engine Optimization) zielt auf Präsenz in breiteren generativen Kontexten wie Marktübersichten, Anbieterlisten und Trendeinordnungen. Für B2B-Tech-Anbieter ist GEO in der Regel der relevantere Hebel.

Verbessern Pressemitteilungen die Sichtbarkeit in ChatGPT und Perplexity?

Ja, indirekt und wirksam. KI-Systeme gewichten Erwähnungen auf vertrauenswürdigen Drittseiten stark. Eine Pressemitteilung, die von Fachmedien aufgegriffen wird, erzeugt genau solche Quellen. Die Meldung allein auf einem Verteilerportal wirkt deutlich schwächer als die daraus entstehende redaktionelle Berichterstattung.

Sollte ein B2B-Unternehmen eine separate, KI-optimierte Version seiner Website betreiben?

Nein. Unterschiedliche Inhalte für Bots und Menschen gelten als Cloaking und werden von Such- wie KI-Systemen negativ bewertet. Sinnvoll ist stattdessen eine zusätzliche strukturelle Ebene über denselben Inhalten: Schema-Markup, fragenbasierte Zwischenüberschriften, FAQ-Blöcke und Glossarseiten.

Wo veröffentliche ich Pressemitteilungen für maximale KI-Sichtbarkeit?

In einem eigenen, indexierbaren Newsroom auf der Unternehmensdomain – als HTML-Seite, nicht als PDF – ergänzt um gezielte Verteilung an thematisch passende Fach- und Nischenmedien. Ein FAQ-Block unter der Meldung erhöht die Extrahierbarkeit der Kernfakten.

Brauche ich eine llms.txt-Datei?

Sie schadet nicht und ist schnell angelegt, ist aber nach aktuellem Stand kein wesentlicher Hebel: Die großen KI-Crawler rufen die Datei überwiegend nicht ab und verarbeiten stattdessen direkt HTML. Wichtiger sind explizite Freigaben für KI-Crawler in der robots.txt, sauberes Schema-Markup und Erwähnungen auf Drittseiten.

Wie messe ich KI-Sichtbarkeit?

Über regelmäßige Testabfragen in ChatGPT, Perplexity, Gemini und Google AI Mode mit den typischen Recherchefragen Ihrer Zielgruppe – geprüft wird, ob und mit welchen Quellen belegt Sie genannt werden und neben welchen Wettbewerbern. Ergänzend sollten Sie Referral-Traffic aus KI-Systemen separat in Ihrer Web-Analytics ausweisen.

Sie wollen wissen, wo Ihr Unternehmen in KI-Antworten heute steht – und was Ihre Pressearbeit dafür leisten kann? Sprechen Sie mich an.


Über den Autor

Ich bin Thomas Konrad, freiberuflicher Tech-PR- und Content-Marketing-Spezialist. Seit 25 Jahren unterstütze ich Tech-Unternehmen und Start-ups in ihrer Kommunikation. Ich bringe Ihre Produkte, Innovationen, Menschen und Marken auf die internationale Bühne – mit KI, klug und verantwortungsvoll eingesetzt.

Nach oben scrollen